Haben Personen, die unter Sodbrennen und/oder Refluxösophagitis leiden,
zu viel oder zu wenig Magensäure?
Warum helfen Säureblocker auf Dauer nicht und machen alles nur noch schlimmer? Die sogenannte Hypochlorhydrie.
Ein Erfahrungsbericht und Hilfe zur Selbsthilfe
von Jürgen Schurr, Dr. rer. nat.
Ein Erfahrungsbericht und Hilfe zur Selbsthilfe
von Jürgen Schurr, Dr. rer. nat.
Drei Jahre lang habe ich unter einer schweren Refluxösophagitis (eine Entzündung der unteren Speiseröhre) gelitten. Ich hatte niemals Sodbrennen und habe das den Ärzten ausdrücklich gesagt, sie haben es aber geflissentlich ignoriert. Die von den Ärzten verschriebenen Säureblocker (genauer gesagt Protonenpumpeninhibitoren und zusätzlich H2-Rezeptorblocker) haben nicht geholfen, sie haben stattdessen alles nur noch schlimmer gemacht und zu massiven Beschwerden und einer lebensgefährlichen Eskalation geführt. Erst dann habe ich begriffen, dass ich von Anfang an zu wenig Magensäure hatte und die Anwendung von Säureblockern ein schwerer Fehler der Schulmedizin ist. Mit der genau entgegengesetzten Strategie habe ich dann in kurzer Zeit geradezu eine Wunderheilung erreicht!
Seither haben viele Bekannte mir gegenüber geklagt, dass ihr Sodbrennen und/oder ihre Refluxösophagitis trotz Säureblockern immer schlechter werden, und mich gefragt, was mir am Ende geholfen hat. Wenn ich dann von mir berichte, fallen sie erst aus allen Wolken, begreifen dann den Fehler, und klagen entsetzt: „Was haben mir die Ärzte angetan!!!“ Weil es mir genauso ergangen war, habe ich mich entschieden, meine eigene Erfahrung anderen Betroffenen zugänglich zu machen. Ich bin jedoch kein Arzt und habe auch keine Approbation! Außerdem gibt es andere Gründe für Magenerkrankungen (z.B. Krebs oder bakterielle Infektionen), auf die das hier Gesagte nicht zutrifft. Dieser Bericht kann deshalb nur eine Anregung sein und ich kann keine Gewähr und keine Haftung übernehmen, dass meine Erfahrung auf alle Betroffenen zutrifft. Dieser Bericht ersetzt nicht die Beratung, Untersuchung und Behandlung durch einen geeigneten Arzt.
Warum halten die Ärzte Säureblocker für ein Wundermittel? Bevor PPIs auf den Markt kamen, war die oftmals einzige Möglichkeit, ein blutendes Magengeschwür zu behandeln, die operative Entfernung einer Magenhälfte. Ein erneutes Magengeschwür oder eine blutende Speiseröhre waren oftmals ein Todesurteil. Für die Dauer von wenigen Tagen sind Säureblocker – je nach Sichtweise – ein Wundermittel oder eine akzeptable Verlegenheitslösung. Obwohl die Beipackzettel der PPIs sowie alle deutschen, europäischen und amerikanischen Arzneimittelbehörden vor ein mehrwöchigen oder gar mehrjährigen Behandlung warnen, werden Säureblocker aus nichtigem Anlass in großem Stil und über lange Zeiträume verschrieben. Trotz massiver Nebenwirkungen und Risiken. Das ist der eigentliche Wahnsinn!
Habe ich zu viel oder zu wenig Magensäure?
Mit zunehmendem Alter oder unter Stress produziert der Magen viel weniger Magensäure. Es sind fast immer ältere Menschen und Menschen mit viel Stress, die unter Sodbrennen und Reflux leiden. Der medizinische Begriff für einen Mangel an Magensäure ist Hypochlorhydrie; zu viel Magensäure kommt praktisch nie vor. Dazu kommt fast immer, dass der Sphinkter der unteren Speiseröhre nicht mehr richtig schließt. Der Sphinkter ist eine Art Muskelventil. Beim Schlucken kontrahiert ein ringförmiger Teil der Speiseröhre, die Kontraktion läuft langsam wie eine Welle nach unten und schiebt die Speise nach unten bis zum Sphinkter, der dann wie eine Schleuse öffnet. Dadurch kann normalerweise gar keine Magensäure in die Speiseröhre gelangen – egal, ob man zu viel oder zu wenig davon hat. Das Problem ist also nicht die Menge der Magensäure, sondern die Fehlfunktion des Sphinkters, eine sogenannte Sphinkterinsuffizienz.
Wenn man zu wenig Magensäure hat, dauert die Verdauung viel länger als normal und der Magen drückt lange auf dem schwerverdaulichen Speisebrei herum. Der Magen ist ein äußerst kräftiger Muskel, auch wenn man die Bewegung nicht spürt. Das übt einen großen Druck auf den Sphinkter aus, bis dieser schließlich immer wieder und immer häufiger versagt. Sphinkterinsuffizienz ist also oftmals eine Folge von zu wenig Magensäure! Wenn der Sphinkter versagt, gelangt Magensäure und Speisebrei in die Speiseröhre und kann diese verätzten. Wenn der Sphinkter länger offen bleibt, kann Magensäure und Speisebrei im Liegen sogar bis in den Mund oder die Lunge gelangen. Mit zunehmendem Alter und je häufiger und je länger man Säureblocker nimmt, umso weniger Säure produziert der Magen. Dadurch dauert die Verdauung immer länger, der Magen drückt stundenlang auf dem schwerverdaulichen Speisebrei herum, der schließlich sauer zu gären und zu faulen anfängt und Gase bildet. Das erhöht den Druck auf den Sphinkter, so dass dieser immer häufiger versagt. Dann tritt Speisebrei aus, der durch das Gären sauer ist; diese Säure ist aber keine Magensäure und hilft auch nicht bei der Verdauung. Zuwenig Magensäure und trotzdem Sodbrennen!
Ein Mangel an Magensäure stört die gesamte Verdauung. Die Folge war bei mir ein endloser Wechsel von Durchfall und Verstopfung, stundenlanger Übelkeit nach jeder Mahlzeit, Blähungen und Mundgeruch, und die Refluxösophagitis ist auch nicht abgeheilt. Trotzdem hat der Arzt mir gesagt, dass es wichtig sei, die Säureblocker auf jeden Fall weiter einzunehmen. Erst als es zu einer lebensbedrohlichen Eskalation kam, habe ich den Irrsinn durchschaut und die „Behandlung“ sofort abgebrochen.
Ein Mangel an Magensäure führt auch dazu, dass der Körper Vitamine, Vitalstoffe und Spurenelemente nicht mehr in ausreichender Menge aufnehmen kann (trotz gesunder Ernährung) und dadurch das Immunsystem geschwächt wird. Darüber hinaus werden Keime im Magen nicht mehr vollständig abgetötet. Beides kann zu einer Vielzahl von Krankheiten führen, z.B. Infektionskrankheiten einschließlich Magen-Darm-Infektionen, Hautauschläge, Allergien, Pilzerkrankungen, Asthma, Entzündungen der Blase und der Nieren. Der Mangel an Vitalstoffen kann zu diversen Mangelerscheinungen führen und sogar die Sehleistung der Augen reduzieren, weil die Makula einen besonders hohen Bedarf an Nährstoffen hat.
Die Anwendung von Säureblockern ist im besten Fall eine Verlegenheitslösung für wenige Tage und darüber hinaus schlicht eine Fehlbehandlung. Obwohl die Ärzte das wissen, wollen sie nicht davon abrücken, Säureblocker über Monate oder Jahre hinweg zu verschreiben; trotz ausbleibender Heilung und trotz zunehmender Verschlechterung der Gesundheit. Obwohl in den Beschreibungen der Säureblocker dringend vor einer längerfristigen Einnahme gewarnt wird. Von dem Risiko für Folgeerkrankungen wie Krebs oder Demenz ganz zu schweigen.
Zu der Frage, ob jemand zu viel oder zu wenig Magensäure hat, gibt es etliche gute Webseiten und Videos. Klicke einfach auf Beispiel 1, Beispiel 2, Beispiel 3, Beispiel 4.
Von Jonathan V. Wright gibt es das Buch „Ein Lob der Magensäure“ über Fehlbehandlung mit PPIs und über alternative Behandlung. Jonathan V. Wright ist einer der wenigen Ärzte, die der Meinung sind, dass mindestens 98% aller Patienten, die unter Sodbrennen und/oder Refluxösophagitis leiden, zu wenig Magensäure haben, und die die Behandlung mit PPIs scharf kritisieren.
Es gibt zwei einfache Selbsttests, ob man zu viel oder zu wenig Magensäure hat, den Natron-Test nach Rose und den Rote-Beete-Test nach Dr. Switzer.
Was mir am Ende geholfen hat
Die Kombination der folgenden vier Punkte hat mir in kurzer Zeit geholfen und geradezu eine Wunderheilung bewirkt:
1) strikte Vermeidung von Ernährungsfehlern. Beispiele für Fehler: zu große Portionen, zu wenig kauen, zu fett, zu viel Fleisch, nicht ausreichend lange vor dem Zubettgehen, Getränke nicht ausreichend lange vor oder nach dem Essen, zu viele Süßigkeiten, zu viele industrielle Produkte, zu kalte Getränke. Was immer Dein persönlicher Fehler ist: Lass es sein! Im schlimmsten Fall kann man bei einer Refluxösophagitis zu Tode verbluten!
Unter Stress produziert der Magen weniger Säure, so dass sich jeder Ernährungsfehler noch schlimmer auswirkt. Stress lässt sich leider nicht immer vermeiden, aber die angewöhnten Ernährungsfehler kann man vermeiden!
2) verdauungsfördernde Naturheilmittel wie Verdauungstee, Bitterkräuter (ohne Alkohol), Schwarzkümmelöl, Leinsamen, Fenchelsamen, Kümmel, Lorbeerblätter, etc. Am besten hat mir ein selbst zusammengestellter Verdauungstee geholfen, bei dem ich Melissenblätter, Lorbeerblätter, Gewürznelken, Wacholderbeeren, Rosmarin und Kümmel in einen Teefilter gegeben, mit kochendem Wasser übergossen und 10 Minuten ziehen lassen habe. Man sollte ausprobieren, was am besten wirkt und sich auf ein oder zwei Naturheilmittel beschränken. Außerdem sollte man mehr Obst und Gemüse essen, das besonders reich an Verdauungsenzymen ist (z.B. Ananas, Papaya, Äpfel, Mango, Kiwi, frischer Salat, rohes Gemüse).
3) Akupressur, Gymnastik und Atemübungen.
Das Ziel ist einerseits, den Sphinkter der unteren Speiseröhre zu stärken und ihm zu helfen, zu einer normalen Funktion zurückzukehren. Andererseits soll das Zwerchfell und die Bauchmuskulatur gestärkt werden, um eine Hiatushernie zu vermeiden, bzw. zu verringern. Hiatushernie und Sphinkterinsuffizienz sind selten angeboren und entstehen meistens als Folge von übermäßigem Druck im Magen und übermäßigen Magenbewegungen, die beide wiederum auf einen Säuremangel zurückzuführen sind. Eine Rückbildung der organischen Schäden ist wohl medizinisch nicht möglich, aber mir und etlichen anderen Betroffenen hat Akupressur und Gymnastik geholfen, dass der Sphinkter weniger oft oder gar nicht mehr versagt, und alles, was hilft, ist gut. Dem letzten Punkte haben dann sogar alle Ärzte zugestimmt.
Beispiele:
Akupressur mit einem kleinen Gymnastikball oder mit einem abgerundeten Drücker
Gymnastische Übungen, nicht nur bei Zwerchfellbruch
Selbstverständlich sollte man diese Übungen nur mit leerem Magen durchführen, am besten morgens vor dem Frühstück. Die gymnastischen Übungen trainieren den Darm zu regelmäßigem Stuhlgang, was wiederum den Magen entlastet. Wenn man dann noch etwas normale Gymnastik ergänzt, startet man morgens fit und munter in den neuen Tag.
4) Absetzen der Säureblocker. Zufuhr von Säure unmittelbar vor oder während den Hauptmahlzeiten, z.B. in Form von:
a) zwei Esslöffel Zitronensaft oder
b) zwei Esslöffel Apfelessig oder
c) Betaine-HCl-Kapseln, z.B. von Now Foods. Diese Kapseln gibt es nicht in der Apotheke, aber im Internetversand. Oftmals reicht 1 Kapsel pro Mahlzeit. Die Kapseln haben gegenüber Zitronensaft und Essig den Vorteil, dass die Säure weder mit der Speiseröhre noch mit den Zähnen in Kontakt kommt, und sie sind auch für unterwegs geeignet.
Wer Zitronensaft und Essig ausprobieren möchte, aber nicht pur mag, kann z.B. den Essig auf einen Rohkostsalat aus geraspelten Mohrrüben oder Rotkohl geben, den Zitronensaft auf panierten Fisch, ein paniertes Schnitzel oder einen Auflauf träufeln, oder zum Butterbrot einige saure Gurken essen. Zitronensaft passt zu vielen Gerichten, einschließlich Pasta und Bratkartoffeln. Den Saft frisch ausgepresster Zitronen kann man übrigens gut in einer Eiswürfelform einfrieren und bei Bedarf einen Würfel auftauen.
Achtung:
Der Punkt 4) gilt ausdrücklich nur für Personen, die zu wenig Magensäure haben! Personen, denen nach Absetzen der Säureblocker oder nach Säurezufuhr Magensäure in die Speiseröhre läuft, sollten diesen Punkt 4) erst dann anwenden, wenn ihr Sphinkter wieder einwandfrei funktioniert!
Weil der Magen durch die Säurezufuhr schneller vorverdauen kann, liegt das Essen nicht mehr stundenlang im Magen und drückt nicht mehr so stark und so lange auf den Sphinkter. Und auch der Darm hat es leichter. Bei mir hat dieser Punkt 4) geradezu eine Wunderheilung bewirkt: Bereits die erste Anwendung hat dazu geführt, dass ich zum ersten Mal seit vielen Monaten nach dem Essen weder Übelkeit noch Durchfall oder Verstopfung hatte, und dabei ist es bis heute geblieben.
5) Vitamin A. Die Schleimhaut des Magens und der Speiseröhre benötigt Vitamin A. Ein mir nicht bekannter Anteil der unter Reflux leidenden Personen hat trotz einer gesunden und vielseitigen Ernährung einen akuten Mangel an Vitamin A, sei es, dass der Körper Vitamin A aufgrund von zu wenig Magensäure schlecht aufnehmen kann oder dass die Heilung einer geschädigten Schleimhaut besonders viel Vitamin A verbraucht. Die Konzentration von Vitamin A (und anderer Vitalstoffe) im Blut kann man mit einem einfachen Test messen lassen, man muss sich aber selbst ein Labor suchen, weil die Krankenkasse die Kosten nicht übernimmt und die Ärzte solche Tests deshalb nicht anbieten. Wenn man einen akuten Mangel an Vitamin A hat, ist es sinnvoll, mehr Vitamin-A-reiche Lebensmittel zu essen und vorübergehend Vitamin-A-Tabletten zu nehmen.
Noch zwei Tipps:
(a) Bei anhaltendem Völlegefühl und Übelkeit sollte man die nächste Mahlzeit ausfallen lassen und dem Magen mehr Zeit geben. Es hilft auch, gelegentlich eine Hauptmahlzeit durch einen Obst-Smoothie zu ersetzen, weil Obst leicht und schnell verdaut werden kann.
(b) Säureblocker können zur Entwicklung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten führen. Unverträglich gewordene Nahrungsmittel sollte man unbedingt vermeiden, da sonst schwerwiegende Folgeschäden entstehen können.
Eine Anmerkung zum Schluss
Egal, ob Du diesen Vorschlägen folgst oder weiter Säureblocker einnimmst: Du musst unbedingt auf die Reaktion Deines Körpers achten und versuchen zu verstehen, was er Dir sagen will! Säureblocker werden niemals eine Heilung bewirken! PPIs haben irreversible Wirkungen und Nebenwirkungen, einschließlich chronischer Magen-Darm-Beschwerden, und werden trotzdem von den Ärzten ohne Sinn und Verstand verschrieben. Eine ärztliche Kontrolle ist in jedem Fall ratsam. Such Dir einen Arzt Deines Vertrauens, aber keinen Gastroenterologen, der nur Säureblocker kennt und reihenweise im industriellen Stil Endoskopien durchführt, um seine Praxis zu finanzieren und Profit zu machen auf Kosten der Gesundheit seiner Patienten.
Was können Opfer einer ärztlichen Fehlbehandlung tun?
Man kann sich bei der Ärztekammer beschweren und auf Wiedergutmachung klagen. Informationen und Unterstützung bekommt man z.B. beim Arbeitskreis Medizingeschädigter des Deutschen Patientenschutzbundes. Je mehr Betroffene diesen Weg gehen, umso schneller kann die medizinische Standardbehandlung mit Säureblockern abgeschafft werden – im Interesse aller Betroffenen!